GLOSSE

Coronateralschaden

Endlich wieder raus! In Kneipen, Restaurants, Fitnessbuden und in europäische Urlaubsländer. Wie ein Grizzly nach dem Winterschlaf tapsen die meisten wieder ins Freie. Aber ich will nicht mehr. Ich bleibe ein Lock-up-Verweigerer. Jetzt hab ich mich so an die gemütliche Einsamkeit in der Höhle gewöhnt. Cocooning als Coronateralschaden.
Ich hatte mir vorgenommen endlich das zu lesen, was ich schon immer mal lesen wollte: „Krieg und Frieden“, den „Simplicissimus“, die „Josephus-Trilogie“ von Lion Feuchtwanger. Habs dann doch nicht gemacht. Es war schon eine „verlorene Zeit“. Ja, auch die habe ich gesucht, aber nicht gefunden, lieber Marcel Proust. Drosten hat in seinem Podcast vor möglichen Mutationen gewarnt. Prophylaktisch lese ich „Die Metamorphosen des Covid“ und bunkere kistenweise Rotwein.

Irgendwann habe ich angefangen die Infiziertenzahlen aller Landkreise auswendig zu lernen, meine WC-Enten zu füttern und mit den Zimmerpflanzen zu reden. Und das Schlimme war: Die haben geantwortet. Man muss ihre Kommunikation nur verstehen. Wenn man sensibel genug ist, kann man bei Gänseblümchen sogar ein sanftes Schnattern und bei den Osterglocken ein leises Läuten hören. Manche Blumen sagen nix, zeigen aber ihre Verachtung. wie z.B. die Sonnenblumen. Die wenden sich einfach von mir ab und drehen sich der Sonne zu. Und die Zimmerkastanien werfen sogar mit stachligen Früchten nach mir. Zum Glück habe ich in der Wohnung keinen Rhabarber und keinen Spargel. Die sollen ab und an sogar schießen.

Wenn ich jetzt wieder rausginge, würde ich nur auf all die Corona-Leugner, Maskenverweigerer und Verschwörungsheinis treffen. Während wir sonst ach so kritischen Kabarettisten noch nie so staatsnah waren und sogar dem Spahn bescheinigen, er habe sein Ding ja ganz ordentlich gemacht, werden diese Vollpfosten renitent. Sie vergleichen Drosten mit Mengele und glauben ein Welt-Staat soll von Bill Gates übernommen und zu einer Impfdiktatur umgebaut werden, nachdem sie uns mit den Strahlen von 5-G-Masten und Beruhigungsmittel im Trinkwasser gefügig gemacht haben. Es scheint wohl zu stimmen, dass Corona nicht nur in der Lunge, sondern auch im Gehirn ziemlich viel Verwüstung hinterlässt.